Sorghum ist kein Mais

Trockenjahre treten immer häufiger auf. Das zwingt die Landwirtschaft dazu, sich durch den Anbau klimaangepasster Kulturen abzusichern. Sorghum rückt deshalb zunehmend in den Fokus. Wer diese Kultur jedoch lediglich als Maisersatz betrachtet, unterschätzt ihr Potenzial. Entscheidend sind ihre eigenen Stärken – und moderne Sorten, die gezielt für mitteleuropäische Bedingungen gezüchtet wurden.

Sorghum wird häufig als Alternative zum Mais bezeichnet. Diese Einordnung greift jedoch zu kurz. Zwar ähneln sich beide Kulturen in ihrer Nutzung als Futter- und Biogassubstrat sowie in Teilen der Anbau- und Erntetechnik, jedoch unterscheiden sie sich biologisch und physiologisch deutlich. In Regionen und Jahren, in denen es der Mais schwer hat, kann Sorghum mit seinen Vorzügen punkten und Anstelle von Mais oder in Kombination mit diesem die Erträge auch unter schwierigen Bedingungen absichern.

 

Silomais

Silosorghum

Botanische Art Zea mays L. Sorghum bicolor (L.) Moench
Hauptstärke hoher Kolben- und Stärkeertrag hohe Trockenheits- und Hitzetoleranz
Photosynthese C4-Pflanze C4-Pflanze
Einsatzempfehlung enegriebetonte Milchvieh- und Biogasrationen klimaangepasste Fruchtfolgen, Fütterung und Biogas, besonders auf trockenen Standorten

Boden und Klima

   
Klimarisiko empfindlich gegenüber längeren Trockenperioden deutlich robuster gegenüber Hitze und Trockenheit
Wasserbedarf ca. 500 - 700 mm Vegetationsniederschlag ca. 400 - 600 mm Vegetationsniederschlag
Wassernutzungseffizienz (WUE) hoch sehr hoch – je nach Standort 20 - 50 % höher
Reaktion auf Trockenstress Ertragsverluste während Blüte und Kornfüllung Wachstrum wird reduziert, schnelle Regeneration nach Niederschlag
Wurzelsystem bis ca. 1,5 - 2,0 m häufig über 2,0 m, sehr intensive Feinwurzelbildung
Bodenttemperatur zur Aussaat ab ca. 8 - 10°C ab ca. 12 - 14°C
Jugendentwicklung sehr schnell langsamer, daher höhere Konkurrenz durch Unkräuter

Ertrag

   
Trockenmasseertrag sehr hoch auf guten Standorten sehr hoch und insbesondere unter Trockenheit stabil
Methanertrag je Hektar sehr hoch unter günstigen Bedingungen etwas geringer, aber unter trockenen Bedingungen gleichwertig oder höher
Methanertrag je t organische TM sehr hoch etwas geringer

Futterqualität

   
Stärkegehalt der Silage ca. 30 - 38 % der TM große Sortenunterschiede, ca. 10 - 30 % der TM
Rohfasergehalt mittel höher
Faserverdaulichkeit hoch hoch bis sehr hoch bei modernen Sorten
Energiegehalt ca. 6,5 - 7,2 MJ NEL / kg TM ca. 5,8 - 6,5 MJ NEL / kg  TM (stark sortenabhängig)
 
Sorghum ist kein Mais – und genau darin liegt seine Stärke. Die Kultur punktet vor allem dort, wo Wasser zum begrenzenden Faktor wird. Hohe Trockenheitsverträglichkeit, effiziente Wassernutzung sowie die gute Eignung für Fütterung und Biogas machen Sorghum zu einer wertvollen Ergänzung moderner Fruchtfolgen. Mit fortschreitendem Klimawandel wird Sorghum den Mais daher nicht ersetzen, sondern sinnvoll ergänzen. Die Zukunft liegt im gezielten Einsatz beider Kulturen – jeweils dort, wo ihre Stärken am besten zur Geltung kommen.